#Forschung

In der Donau schwimmt zu viel Plastik

In der Donau, einer der wichtigsten transnationalen ökologischen Korridore in Europa, schwimmt zu viel Plastik. Das hat Auswirkungen auf Wildtiere, Ökosysteme und Menschen. Zu diesem Schluss kommt das internationale Forschungsprojekt "PlasticFreeDanube", das sich unter Federführung der Universität für Bodenkultur mit der Plastikverschmutzung der Donau beschäftigt. Die NÖ Umweltverbände unterstützen das Projekt als strategischer Partner.

Einwegplastik mitten im Nationalpark
Mitten im Nationalpark Donauauen, dort wo kein Weg hinführt, schwimmen im Wasser zwischen Baumwurzeln ein Kanister und eine Flasche. Einwegplastikabfall. Wie kommt er dorthin? Mit Dutzenden Kolleginnen und Kollegen suchte Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner, stellvertretende Leiterin des Instituts für Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (BOKU), dreieinhalb Jahre nach Antworten. Vor allem wollte das internationale Forscher*innen-Team wissen, wie viel und welche Art von Plastikmüll zwischen Wien und dem slowakischen Wasserkraftwerk Gabcikovo in die Donau gerät. Im Fokus der Wissenschafter*innen war jedes Plastikteil, das größer als fünf Millimeter ist.
Die Hälfte des Kunststoffabfalls kommt aus dem Littering

Mit einer Schar an Freiwilligen wurden insgesamt zwei Tonnen Kunststoffabfall am und im Wasser gesammelt, sortiert und untersucht. Das Ergebnis: Fast die Hälfte des Kunststoffs konnte dem Littering zugeordnet  werden – es handelte sich um Verpackungen von Lebensmitteln und anderer Waren, die mit oder ohne Absicht im Wasser gelandet sind.

Lebensmittelverpackung seit 32 Jahren unterwegs
Ein weiterer großer Teil wurde Sanitärprodukten zugeordnet (Reinigungstücher, Binden, etc.), die vermutlich ins WC geworfen und dann aus der Kläranlage bei Hochwasser herausgeschwemmt wurden. Autoreifen sowie Seile und Bojen vom Schiffsverkehr komplettierten das Plastikmüll-Bild. Klar wurde auch, dass die Plastikteile oft lange unterwegs sind – so fanden die Forscher*innen im Rechen des Kraftwerkes Freudenau den Becher eines Gabelbissens mit Ablaufdatum 1989.
Aktionsplan zur Verringerung des Plastikmülls Ziel des großteils von der EU mit 1,3 Millionen Euro dotierten Projekts „“PlasticFreeDanube“ war es auch, einen Aktionsplan zu entwickeln, wie der Plastikmüll an und in der Donau verringert werden kann. Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner: „Dabei sind Maßnahmen denkbar, um die Kunststoffe wieder aus dem Fluss entfernen, z.B. durch den Bau von entsprechenden Auffangbecken oder man könnte auch versuchen, bei den Kraftwerken mehr heraus zu holen.“ Eine entscheidende Rolle spiele allerdings die Bewusstseinsarbeit. „Man muss verhindern, dass Leute Müll in den Fluss werfen.“ Im Projekt wurden daher Informationsveranstaltungen und Workshops abgehalten sowie Informationsmaterialien für Schulen und andere Bildungsinstitutionen entwickelt.
Folgende digitale Kommunikations- und Informationsplattform informiert auch nach Projektende ausführlich über „PlasticFreeDanube“: plasticfreeconnected.com

 

Welcher Kunststoffabfall wo landet
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes „PlasticFreeDanube“ zeigen, dass sich die Zusammensetzung der gefundenen Kunststoffabfälle je nach Sammlungsgebiet durchaus unterscheidet:

– Litteringabfälle der Donauinsel weisen viele Sanitärabfälle (v.a. Reinigungstücher) und einen hohen Verpackungsanteil auf.

– Im Rechengut des Kraftwerks Freudenau wurden vermehrt Kunststoffe aus dem Bereich Haushalt, Sport & Freizeit sowie Abfälle der Schifffahrt (Seile, Bojen) nachgewiesen.

– Im Uferbereich werden vorwiegend Kunststoffe aus dem Haushaltsbereich und Verpackungen aber auch verhältnismäßig viele geschäumte Kunststoffe ausgetragen.

– Im Hinterland erkennt man einen auffallend hohen Anteil an Getränkeflaschen und geschäumten Kunststoffen.

Mitte Dezember 2020 fand eine letzte Probenahme auf allen Testflächen im Nationalpark Donau-Auen statt. Dabei wurden Makro-Abfälle in festgelegten Flächen entlang des Ufers und im Hinterland des Auenwaldes eingesammelt. Vor allem in Verklausungen in den Nebenarmen und den zuvor definierten Akkumulationszonen konnten größere Kunststoffanhäufungen festgestellt werden. Neben einer 240l Gelben Tonne, Autoreifen und jeder Menge PET-Flaschen und geschäumter Kunststoffteile wurde eine mobile Toilettenkabine gefunden.

Wie gefährlich ist Kunststoff im Wasser?
Das multilaterale Forschungsprojekt „PlasticFreeDanube“ beleuchtete auch die Frage, wie gefährlich die Kunststoffe im Donauwasser sind. Im Projektgebiet gesammelte Kunststoffabfälle wurden in einem so genannten Leaching-Experiment auf Inhaltsstoffe analysiert, die möglicherweise ausgewaschen werden. Dazu wurden Proben einen Monat lang in Wasser geschüttelt. Die chemische Analyse des Wassers ergab, dass nachgewiesene organische Stoffe unterhalb der Grenzwerte für gefährliche Stoffe lagen.

Allerdings konnte bei Proben von PET-Flaschen im Wasser eine erhöhte Konzentration des Schwermetalls Antimon festgestellt werden (200 µg/l bei einem Grenzwert von 5 µg/l für Trinkwasser).

Plastik wird mit GPS „verfolgt“
Um herauszufinden, wie sich Plastikteile in der Donau bewegen, wurden im Forschungsprojekt „PlasticFreeDanube“ auch GPS-Tracer und Kanus eingesetzt. Dazu wurden unterschiedliche Makroplastikteile, die im Rahmen von Sammelaktionen häufig im Nationalpark Donauauen gefunden werden (PET Flaschen, PU Schaum, Schuhe, Tennisbälle etc.), farblich markiert und mit Sendern bestückt. Die Plastikteile wurden schließlich im Fluss ausgesetzt und mit Kanus „verfolgt“.

Der Versuch sollte helfen, einerseits das Transportverhalten von Kunststoffen in Fließgewässern besser zu verstehen und andererseits das Rückhaltepotenzials von Wasserkraftwerken durch die Rechenanlage abzuschätzen.
 
Die Partikel strandeten häufig in Abschnitten, die im Projekt durch Begehungen sowie Ufer- und Hinterlandsammlungen als „Akkumulationszonen“ definiert wurden. Die zurückgelegten Pfade konnten zur Validierung des im Projekt aufgebauten hydrodynamisch-numerischen Modells herangezogen werden.

Partner und Finanzierung
Das länder- und institutionenübergreifende Forschungsprojekt „PlasticFreeDanube“ wird von vielen Schultern getragen: Federführend ist das Institut für Abfallwirtschaft sowie das Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der Universität für Bodenkultur in Graz sowie das Polymer-Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften.  
Beteiligt waren auch der Nationalpark Donauauen, die zum Klimaschutzministerium zählende Wasserstraßenverwaltung Viadonau, die in der Abfallwirtschaft tätige slowakische NGO Repanet und zahlreiche Freiwillige.
Die NÖ Umweltverbände und das Amt der NÖ Landesregierung sind als strategischer Partner mit Beratungs- und Mutiplikatorenfunktion an diesem Projekt beteiligt. Weitere strategische Partner auf österreichischer Seite:

  • Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT)
  • Generation Blue
  • Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und  Technologie (BMK)
  • Stadt Wien, MA 45 – Wiener Gewässer
  • Umweltbundesamt GmbH
  • Umweltbildung Austria – Grüne Insel

Finanziert wurde das mit 1,3 Millionen Euro dotierte Forschungsprojekt zum Großteil im Rahmen von INTERREG, einer EU-Förderung für transnationale Projekte.

Foto: ©Gudrun Obersteiner

Auch interessant:
- „Das Problem liegt darin, dass Kunststoffe so lange in der Umwelt überdauern.“ Vier Fragen an Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner (BOKU)

 

 

06. April 2021

Vier Fragen an die Abfallwirtschaftsexpertin

Federführend bei der internationalen Studie „PlasticFreeDanube“, die die Einwegplastikbelastung der Donau erforscht,  ist Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner tätig. Sie ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (BOKU). Ihre Spezialgebiete umfassen die Bereiche Ökobilanz, Abfallvermeidung und Lebensmittelabfälle. Vier Fragen an die Abfallwirtschaftsexpertin:

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