#interview

„Das Problem liegt darin, dass Kunststoffe so lange in der Umwelt überdauern.“

@Sandra Lucke

Federführend bei der internationalen Studie „PlasticFreeDanube“, die die Einwegplastikbelastung der Donau erforscht,  ist Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner. Sie ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Abfallwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (BOKU). Ihre Spezialgebiete umfassen die Bereiche Ökobilanz, Abfallvermeidung und Lebensmittelabfälle. Vier Fragen an die Abfallwirtschaftsexpertin:

Wie geht es der Donau?

Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner: In Österreich geht es der Donau gar nicht mal so schlecht – zumindest wenn man sich Bilder aus Ungarn oder Rumänien ansieht. Trotzdem finden sich auch in der österreichischen Donau viel zu viele Kunststoffe. Auch wenn wir in Österreich eine funktionierende Abfallwirtschaft haben, werden immer noch zu viele Abfälle einfach in der Umwelt entsorgt oder gehen durch Unachtsamkeit verloren. Das Problem liegt darin, dass Kunststoffe so lange in der Umwelt überdauern.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?

Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner: Wir wissen nun gut über die Zusammensetzung der Kunststoffe Bescheid und darüber, wie sie sich im Verlauf ändert. Beprobt wurde auf der Donauinsel, das Rechengut vom Kraftwerk Freudenau, im Nationalpark Donauauen im Uferbereich der Donau und im Hinterland. In Summe wurden fast 1300 kg Kunststoffe sortiert. 41 Prozent waren Verpackungen. Allein 18 Prozent Getränkeflaschen. 21 Prozent waren dem Bereich Haushalt, Spiel, Sport zuzuordnen (das reicht von Tennisbällen bis zu Plastikschlapfen). Man konnte gut erkennen, dass der Anteil an Styropr im Hinterland zunimmt, da es sehr leicht ist und beim Hochwasser weit ins Hinterland vertragen wird und dort liegenbleibt. Ähnliches gilt für PET-Flaschen aber nicht ganz im selben Ausmaß. Kunststoffe werden von den Kraftwerken nur bedingt zurückgehalten.
 
Welche Strategien müssten greifen, damit die Plastikabfallbelastung der Donau vermindert wird?

Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner: Alle Maßnahmen, um Littering zu vermeiden, bzw. zur Flurreinigung helfen natürlich. Aber man könnte sich auch Maßnahmen vorstellen, Kunststoffe wieder aus dem Fluss zu entfernen, z.B. durch den Bau von entsprechenden Auffangbecken oder man könnte versuchen bei den Kraftwerken mehr heraus zu holen. Ein gewisser Anteil gelangt auch über den Kanal in den Fluss- da würde es schon reichen, wenn keine Kunststoffe (Wattestäbchen Damenbinden, Feuchttücher) in die Toilette entsorgt würden.

Welche Rolle spielen strategische Partner wie die NÖ Umweltverbände in diesem Projekt?

Dipl. Ing. Gudrun Obersteiner: Partner wie die NÖ Umweltverbände helfen in vielfältige Weise. Sie können den angewandten Aspekt der Analyseergebnisse umsetzen. Als Multiplikator der Ergebnisse und bei der Verbreitung und Anwendung der Unterlagen sind sie unerlässlich. Aber auch das Know-How aus der Praxis hilft uns, z.B. Sammel- und Sortierprotokolle anwenderfreundlich zu gestalten.

Mehr dazu: "In der Donau schwimmt zu viel Plastik"

Foto: ©Sandra Lucke

 

06. April 2021

Pandemie verschärft Plastik-Problem

Die COVID-Pandemie hat einen Rückschlag im Kampf gegen Einwegplastik gebracht. Forscher warnen: Die falsche Entsorgung von COVID-Hygiene-Einwegartikeln verschärft ein Problem, das durch Kunststoffteile und Mikroplastik in der Umwelt ohnehin schon gravierend ist.

mehr >

Wie ein NEIN die Umwelt schützt

"Brauchen’s a Sackerl?" Wenn ich das beim Einkaufen gefragt werde, lautet die Antwort immer „NEIN“. Denn Sackerl sind ein großes Problem für die Umwelt. Pro Minute werden weltweit mehr als eine Million Plastiksackerl produziert!

mehr >
VideosKontaktDatenschutzImpressum